Scrum, aber nicht agil

Als Freiberufler komme ich mit vielen Firmen in Kontakt, die entweder Scrum kennen, einführen wollen oder es schon getan haben. Auch Projektanfragen drehen sich oft um Scrum und Agil.

Der erste Punkt der mir dann oft auffällt, ist, dass die Menschen mit denen ich darüber rede beides in einen Topf werfen. Wenn ich Scrum mache bin ich auch agil. Leider stimmt das nicht. Ein Grundsatzartikel:

Agil

Hinter agil steckt nicht, wie viele aus dem Wort ableiten: Ich mach einfach wie ich lustig bin. Vielmehr haben irgendwann (2001) schlaue Menschen niedergeschrieben welche Werte bei erfolgreichen Projekten gelebt wurden und haben dies das „Agile Manifest“ genannt.

Es geht also um Werte, nicht um Prinzipien oder gar Methoden. Auf Seite zwei leiten sie aber Prinzipien ab, denen sie folgen.

Merke: Wenn Du über Agil sprichst, sprichst du über Werte, nach denen Du arbeiten willst.

Scrum

Scrum ist eine Methode. Stell‘ dir sich eine Pyramide mit drei Scheiben vor, Werte sind die Grundlage, darauf bauen Prinzipien auf und die kleinste Scheibe oben, das sind die Methoden, wie z.B. Scrum. Methoden sollen Prinzipien und Werte unterstützen. Denn die Werte will ich leben und im Unternehmen verankern, da nur das aktive Leben der Werte ein Unternehmen langfristig stabil und performant macht.

Merke: Scrum für sich genommen ist nur eine seelenlose Methode. Mehr nicht.

Cargo-Kult

Es kommt also oft vor, dass ich mit Menschen über die seelenlose Hülle Scrum spreche und diese Menschen davon ausgehen, dass das schon agil ist. Vielfach sprechen wir dann über reinsten Cargo-Kult.

[…]Das Kriegsmaterial, das während des Zweiten Weltkrieges massenhaft von der US-Armee auf diese Inseln abgeworfen wurde (Fertigkleidung, Konservennahrung, Zelte, Waffen und andere Ware), brachte drastische Änderungen des Lebensstils der Inselbewohner mit sich: Sowohl die Soldaten als auch die Einheimischen, die sie beherbergten, wurden mit Materialmengen regelrecht überschüttet. Oft wurden dafür eigene Wohnstätten und Nahrungsvorräte vernichtet und Landepisten und Flugplätze im Dschungel für die erwarteten Frachtflugzeuge gerodet. So wurde etwa Hollandia (heute Jayapura) zu einer großen Marinebasis ausgebaut, wo 1944 ca. 400.000 US-amerikanische Soldaten stationiert wurden. Die Nachwirkungen dieser Invasion auf die indigene Bevölkerung spiegelte sich in der Nachkriegszeit im Bau zahlreicher „Cargo-Häuser“ wider.

Mit dem Kriegsende wurden die Flughäfen verlassen und kein neues „Cargo“ wurde mehr abgeworfen. Darum bemüht, weiter Cargo per Fallschirm oder Landung zu Wasser zu erhalten, imitierten Kultanhänger die Praxis, die sie bei den Soldaten, Seeleuten und Fliegern gesehen hatten. Sie schnitzten Kopfhörer aus Holz und trugen sie, als würden sie im Flughafentower sitzen. Sie positionierten sich auf den Landebahnen und imitierten die wellenartigen Landungssignale. Sie entzündeten Signalfeuer und -fackeln an den Landebahnen und Leuchttürmen.[…]

Wikipedia, 19.12.13, 12:15 MEST

Sympthome

  • „Können Sie bei uns Scrum innerhalb von 3 Monaten einführen?“
  • „Bitte übernehmen Sie auch die Funktion des Product Owners“
  • „Im Daily Standup frage ich immer ab, was das Team so getan hat“

Die Schlange kann viele Köpfe haben. Die Ursache ist immer die selbe: Hier wird versucht ein Problem mechanisch zu lösen. Scrum (oder Kanban, oder…) als Allheilmittel, aber nur als Methode eingesetzt. Die Werte werden ausgeklammert, nicht verstanden und nicht gelebt. Dann kann es nicht zu einer nachhaltigen, intrinsischen Verbesserung führen!

Liebe Mitmenschen. Macht Scrum oder Kanban als Methode, aber bitte: Nennt es nicht agil!

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